Artillerie

Die eidgenössische Artillerie ab 1817

Beim Neuanfang, nach der napoleonischen Zeit, schrieb das eidgenössische Militärreglement von 1817 vor, dass bei der Artillerie 3-, 6- und 12-Pfünder-Kanonen verwendet werden sollen sowie 12- und 24-Pfünder-Haubitzen. Die Gebirgskantone hatten keine Artillerie zu stellen, Batterien stellten vor allem die Kantone Zürich, Bern, Aargau, Solothurn, Basel, St. Gallen, Thurgau, Waadt, Genf und Neuenburg.
Es waren alles Vorderlader mit glatten Bronzerohren für Rundkugeln, obwohl man bereits um die Vorteile gezogener Läufe wusste.
Eine Reorganisation erfolgte 1843, indem man fortan bei den Kanonen 4-, 6-, 8- und 12-Pfünder verwendete, bei den Haubitzen beliess man es bei den 12- und 24-Pfündern. Bereits ein Jahr später, 1844, wurden die ersten beiden Batterien der Gebirgsartillerie aufgestellt, mit Vorderladergeschützen mit glatten Rohren aus Bronze im Kaliber 12 cm.



Uniform der Artillerie 1861

Die Uniform der Artilleristen bestand seit dem Beschluss des Bundesrates vom 17. Januar 1861 aus dem niederen Tschako, fortan Käppi genannt, vorn mit gekreuzten Kanonenrohren, Kokarde und einfachem rotem Wollpompon.
Die Oberbekleidung, wie bisher, aus einem dunkelblauen Frack mit kurzen Schössen, roten Aufschlägen und mit zwei Reihen zu je 7 Messingknöpfen mit Gepräge. Dazu war eine Halsbinde aus weicher schwarzer Wolle zu tragen. Für die tägliche Arbeit war eine kurze Ärmelweste vorhanden und ein Kaput für nasskalte Witterung. Als spezielle Auszeichnung trugen die Artilleristen rote Epauletten, hergestellt aus Wolle.
Als Beinkleider hatten die Kanoniere zwei Paar Hosen, neu mit Hosenschlitz statt Latz, das eine Paar von dunkelblauem Tuche, das andere aus blaugrauer Wolle oder Halbwolle dazu blaugraue Tuchgamschen und im Sommer solche aus rohem Zwilch.
Die Berittenen (Fahrer) mit einem ringsum bis übers Knie reichenden Lederbesatz und zusätzlichem Besatz am Gesäss.
Als Bewaffnung diente den Kanonieren ein Faschinenmesser mit massivem Messinggriff und Lederscheide, den Berittenen ein Reitersäbel mit Messingkorb und Stahlscheide. Die Angehörigen der Parkartillerie waren zudem, bis zur Einführung des Peabody-Gewehres mit speziellen Gewehren (Modell 1842) ausgerüstet.
Offiziere trugen Epauletten und Konterepauletten aus Goldfaden und als Offiziersabzeichen eine Reiterpatronentasche (Giberne).

Organisation 1850-1870
Die Artillerie im jungen Bundesstaat gliederte sich in die bespannte Feldartillerie, die Gebirgsartillerie, die Raketenartillerie, die Positionsartillerie und die Parkkompagnien, total 79 Einheiten (Batterien und Kompagnien), eingeteilt in Auszug und Reserve.
Die Feldartillerie bestand aus total 50 Batterien zu 4 oder 6 Geschützen, aufgeteilt in 3 reine Haubitz-Batterien (24-Pfünder) und 35 Kanonenbatterien (24-, 12-, 8- und 6-Pfünder, Kanonen und Haubitzen sowie Raketenbatterien).
Die Mannschaft für die vier Gebirgsbatterien, zu 4 Geschützen (Kaliber 8-Pfund), stellten die Kantone Graubünden und Wallis (je eine Batterie im Auszug und eine in der Reserve). Die 8 Batterien der Raketenartillerie, mit je 8 Abschussgestellen, wurden 1867 wieder in Feldbatterien umgewandelt. Die Kompagnien der Positionsartillerie wurden mit rund 200 Geschützen ausgerüstet, welche ihnen aber nicht fest zugeteilt wurden.
Am 16. Juli 1870 findet man 89 Einheiten im Auszug und der Reserve, es handelt sich dabei um Kanonenbatterien (mit 4- und 8-Pfündern), Gebirgsbatterien, Positionskompagnien, Park- und Park-Train-Kompagnien. Dazu kommen 25 Landwehr-Artillerie-Kompagnien, vorwiegend Positionsartillerie.


Die Geschütze
Erst mit der Einführung von Langgeschossen, Granaten und Schrapnells für lange Distanzen und Kartätschen auf kurze Entfernungen, kamen ab 1861 die gezogenen Rohre auch bei uns auf. So gelangten als erstes 12 Batterien zu je sechs 4-Pfünder-Geschützen zur Einführung. Ab 1862 begann man die 6-Pfünder-Rohre umzuschmelzen, an ihre Stelle traten 4-Pfünder-Geschütze nach französischem Vorbild. Gleichzeitig studierte man die Einführung von Hinterladern, wie sie in Frankreich und Preussen bereits eingeführt waren und machte ausgiebige Versuche damit. Diese Versuche führten ab 1866 zur ausgedehnten Einführung von Hinterladern mit gezogenen Stahlrohren. Für die Feldartillerie wurden ab 1871 8,4-cm-Kanonen mit einem Bronzerohr mit 12 Zügen und einer Schussdistanz für Granaten von 4000 Metern eingeführt. Diese Rohre wurden ab 1881 nach und nach durch Stahlrohre mit 24 Zügen ersetzt


Die Gebirgsartillerie erhielt bereits 1877 Hinterladergeschütze mit Rohren aus Stahl (Krupp) vom Kaliber 7,5 cm, zerlegbar in drei Saumtier-Lasten.

 

Die 7,5 cm Gebirgskanone von 1906

 

Technische Daten
Bezeichnung: 7,5 cm Geb Kann 06 L 14
Lizenz: Krupp
Hersteller Rohr: Friedr. Krupp Essen
Fabrikationsjahr: 1906
Gewicht schussbereit: 399 kg
Gewicht fahrbereit: 300 kg
Lafette: Einholm, zweiteilig
Feuerhöhe: 677 mm
Rohrlänge total: 14 Kal = 1050 mm
Verschluss: Keilverschluss mit Leitwelle
Rücklaufbremse: hydraulisch
Feuergeschwindigkeit: 6 Schuss/min
Max. Einsatzdistanz (1906): 4,7 und 5 km
Munition: Schrapnells/Stahlgranaten
Geschossgewicht: 5,3 kg / 4,9 kg
Spurweite: 740 mm
Breite über alles: 980 mm
Bereifung: Eisenbereifung, 45 mm breit
Transport gezogen: Fahrzeug oder Pferdezug, 1/2 Pferde (Tandemzug)
Transport gebastet: 5 Lasten (5 Pferde)
Bedienungsmannschaft: Geschützchef + 8 Mann

 

Geschichte

Die Gebirgskanonen 06 lösten die alten Gebirgskanonen von 1877 ohne Rohrrücklauf ab und führten bei der Gebirgsartillerie in ein neues Zeitalter. Gegenüber dem alten Modell mit Flachkeilverschluss und einer max. Schussdistanz von 3000 m konnte diese nun auf 4700 und 5000 m erhöht werden und mit modernerer Munition zudem die Schusskadenz erhöht werden.

 

Organisation

Eine Gebirgsbatterie bestand aus 1 Kommandanten (Hauptmann), 4 Subalternoffizieren, 1 Arzt, 1 Pferdearzt, 23 Unteroffizieren und 176 Gefreiten und Soldaten, total 206 Mann.
Jede Batterie hatte 4 Geschütze und 2 Gebirgs-Fourgons mit 98 Saumtieren (Pferde und Maultiere). Für die Offiziere standen 10 Reitpferde zur Verfügung und für die Bespannung der Fourgons 4 Zugpferde.

 

Die 12 cm Feld-Haubitze von 1912

Technische Daten
Bezeichnung: 12 cm F Hb 12 L 14
Lizenz: Krupp
Hersteller Rohr: Friedr. Krupp Essen
Hersteller Protze: K+W Thun
Fabrikationsjahr: 1912
Gewicht schussbereit: 1446 kg
Gewicht fahrbereit: 1446 kg
Lafette: Einholm
Feuerhöhe 1000 mm
Rohrlänge total: 14 kal = 1675 mm
Verschluss: Schubkurbelverschluss
Rücklaufbremse: hydraulisch
Feuergeschwindigkeit: 10 Schuss/min
Max. Einsatzdistanz (1912): 6 km
Geschossgewicht: 21 kg
Spurweite: 1480 mm
Breite über alles: 1800 mm
Bereifung: Eisenbereifung, 75 mm breit
Fahrgeschwindigkeit: 10 km/h
Transport: Pferdezug (6 Pferde)
Munition: 12 Fächer in der Geschützprotze (im Caisson weitere 2 x 12 Fächer)
Bedienungsmannschaft: 7 Mann (Geschützchef zugleich Richter)

Diese Haubitze mit dem Rohr Nummer 4 war zuletzt mit der Festungs-Abteilung 20 im Dienst, die letzten Jahre diente sie in der Feld Haubitz Rekrutenschule V in Kloten, vorher in Thun, Frauenfeld, Bülach und Bière. Die letzte Revision erfolgte am 11. September 1947 in der K+W Thun. Insgesamt wurden mit diesem Rohr 5577 Schuss abgegeben. Die Protze war früher bei der Feld Batterie 39 eingeteilt.

 

Geschichte

Die 12 cm Haubitze wurde 1912 bei der Schweizer-Armee eingeführt und gehörte zur schweren Artillerie der Divisionen. Zwei Batterien bildeten die Haubitz-Abteilung der damals 6 Divisonen.1939 wurden die Geschütze durch die K+W (Eidg. Konstruktionswerkstätten Thun) umgebaut. Der Laderaum wurde vergrössert und eine Mündungsbremse angebracht, die Bezeichnung lautete fortan F Hb 12/39 L 14. Später wurde ein Teil der Geschütze für den Motorzug umgebaut, mit einer spezieller Fahrprotze und mit Vollgummirädern ausgerüstet.

 

Organisation

Eine Haubitzbatterie bestand aus 1 Kommandanten (Hauptmann), 4 Subalternoffizieren, 22 Unteroffizieren und 123 Gefreiten und Soldaten.
Jede Batterie hatte 4 Geschütze und 8 Caissons, je ein Beobachtungswagen, Batteriewagen, Vorratswagen, Fourgon und 2 Proviantwagen. Letztere wurden 2spännig gefahren, alle anderen sechsspännig. Der Munitionsvorrat pro Geschütz betrug 600 Schuss.
Für die Offiziere und Unteroffiziere standen 21 Reitpferde zur Verfügung und für die Bespannung der Geschütze und Fuhrwerke 100 Zugpferde.