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Dragoner:
Von 1852
bis 1869 trug der eidgenössische Kavallerist eine Uniform, die nach dem
Vorbild der Zürcher Dragoner von 1837 gestaltet war. Während damals das
Tenü der Infanterie, Artillerie und der Spezialwaffen unter französischem
Einfluss stand, trugen die Dragoner (und bis 1860 auch der Guiden) eine
Kopfbedeckung, die stark an die bayrischen Cevaulegers erinnerte. Reiter
in dieser Aufmachung gehörten noch bis weit in die 1870er Jahre hinein
zum Erscheinungsbild des Schweizer Militärs, was bei der Grenzbesetzung
1870/71 zu Verwirrung führte, als internierte Bourbakisoldaten beim Anblick
von alten Dragonern befürchteten, sie würden jetzt an die Deutschen ausgeliefert.
Im Schweizer
Kavallerist Nr 11 von 1925 beschreibt Oberstkorpskommandant Wildbolz die
alten Dragoner:
"…Helm mit schwarzer oder gelber Raupe und breiter Messingschuppenkette.
Der grüne kurze Frack und die weite, grüne Lederhose sind mit breiten
Karmoisinaufschlägen und Streifen verziert. Über die Schulter hängt die
messingbeschlagene Giberne, und am Säbelgurt mit Löwenkopfschloss der
gewaltige, krumme Säbel mit grossem Messingkorb. So ergab sich ein durchaus
imposantes Bild, zu dem der rote Kopf, an dessen Färbung die frische Luft
und reichlicher Waadtländer gemeinsamen Anteil hatten, trefflich passte.
Wenn zB die von Thun heimkehrenden Dragoner-Kompanien nach ausgiebigem
Halt in Münsingen (mit seinem Löwen, Bären, und Ochsen) die alte Stadt
Bern hinaufritten, so lag Stil in diesem Anblick."
Gemäss MO
vom 1.4.1852 rüstete der Kanton Zürich die Dragoner der drei Kompagnien,
die zum Bundesauszug zählten, nur zum Teil auf Staatskosten aus. Die Männer
waren verpflichtet, diensttaugliche Pferde zu stellen und einen Teil der
Ausrüstung selber zu beschaffen.
Der Zürcher Dragoner erhielt vom Staat:
-Reitermantel
- Helm
aus schwarz lackiertem Leder (Farbe der Fellraupe für Dragoner schwarz,
Guiden gelb und Trompeter rot)
- Uniformrock (grüner Frack mit karmesinroten Umschlägen)
- Ein Paar Reithosen (Innenseite mit Lederbesatz)
- Mantelsack von Tuch (zur Aufbewahrung der persönlichen Effekten)
- Die vollständige Pferdeausrüstung
- Pferdeputzzeug
- Pistole mit Riemen (Perkussionspistole, Eidg Ord 1842)
Alle anderen
Ausrüstungsgegenstände hatte er auf eigene Kosten zu beschaffen:
- Ärmelweste (für Arbeiten im Quartier)
- Policemütze
- Achselschuppen aus Nickelblech (für Offiziere Epauletten)
- Stallhosen
- Hosenstrippen (lederne Stege, die am Hosenstoss angeknöpft werden, damit
der Hosenstoss beim Reiten nicht hoch rutschen kann)
- Krawatte
- Sporen
- Stiefelsäcke
- Putzzeug
- Giberne mit Raumnadel (Patronentasche, die über die linke Schulter getragen
wird. Mit der Raumnadel wird das Zündloch der Perkussionspistole von Pulverrückständen
befreit)
- Schraubenzieher
- Kugelzieher (zum Entladen der Pistole)
- Vorratskamin (Ersatzpiston für die Perkussionspistole)
- Sicherheitsleder " Säbel (für berittene Mannschaft, Eidg Ord 1842/52)
- Kuppel (das Lederzeug war bis 1857 weiss und für Guiden chromgelb, danach
wurden Gurt und Schulterriemen geschwärzt)
- Schlagband (am Säbelgriff angebracht)
Durch das
"Gesetz über die Militärorganisation der schweizerischen Eidgenossenschaft"
vom 8. Mai 1850, das sich auf die Verfassung von 1848 stützte, wurde die
allgemeine Wehrpflicht vom 20. - 44. Altersjahr statuiert und das Bundesheer,
das aus den Kontingenten der Kantone bestand, in Auszug und Reserve eingeteilt.
Zum Auszug zählten die Altersklassen vom 20. - 34. Jahr, zur Reserve die
vom 35. - 40. Jahr.
Die Kavallerie
bestand ab 1850 anstelle der "Jäger zu Pferd" aus Dragonern und Guiden.
Letztere waren für den Aufklärungs- und Heerespolizeidienst bestimmt,
oder waren den Divisionsstäben zugeteilt für Kurier- und Staffettendienst.
Die Dragoner Schwadron bestand aus 2 Kompagnien und wurde vom älteren
Hauptmann kommandiert. Der Schwadron war ein Schwadronsarzt zugeteilt.
Die Dragoner Kompagnie des Auszugs bestand insgesamt aus 77 Mann:
1 Hauptmann
1 Oberleutnant
1 Unterleutnant
1 Pferdearzt
1 Feldweibel
1 Fourier
2 Wachtmeister
6 Korporäle
1 Frater (Sanitäter)
1 Hufschmied
1 Sattler
4 Trompeter
56 Reiter
Die Dragoner Kompanie der Reserve bestand aus 60 Mann. Die Guiden Kompanie
des Auszugs zählte 32, die der Reserve 19 Mann.
Der Kanton Zürich war verpflichtet, 231 Dragoner zum Auszug und 60 zur
Reserve zu stellen. Der Kanton Schaffhausen zum Auszug 77 und zur Reserve
60 Mann.
Zürcherische Einheiten (bis 1874):
Auszug:
Dragoner-Kompagnie 3 (später Schwadron 17)
Dragoner-Kompagnie 12 (später Schwadron 18)
Dragoner-Kompagnie 19 (später Schwadron 24)
Reserve: Dragoner-Kompagnie 23
Der Unterricht der Spezialwaffen, zu denen die Kavallerie zählte, geschah
in eidgenössischen Militärschulen. Waffenplatz für die zürcherische Kavallerie
und die anderer ostschweizer Kantone war Winterthur. Es fanden da in den
1850er bis Mitte der 1870er Jahre die Remontenkurse, Rekrutenschulen und
Wiederholungskurse statt.
Der Rekrutenunterricht dauerte 60 Tage für die Dragoner, 42 für die Guiden.
Dazu kam ein Vorunterricht von 6 bis 7 Tagen, der durch die Kantone vor
Abmarsch in die eidgenössischen Schulen organisiert wurde.
Die alljährlichen Wiederholungskurse der Dragoner des Auszugs (ohne Einrückungs-
und Entlassungstag) betrugen 6 Tage, die der Guiden 4 Tage. Der WK der
Reserve dauerte für Dragoner und Guiden nur einen Tag.

Quellen: "Dragoner Regiment 6, 1875 - 1924", von Fritz Schoellhorn, Oberst
der Kavallerie
"Der Eidgenoss",
Geschichte der Schweizer Kavallerie, von Max E. Ammann
"Geschichte der eidgenössischen Militäruniformen von 1852 bis 1992", von
Jürg Burlet |